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			<description>&lt;p&gt;Ich habe mir Zeit genommen, den Text &amp;quot;Compass of Mourning&amp;quot; von Judith Butler genau zu lesen, weil einige, mit denen ich diskutiert habe, ihre Moral der gleichen Betrauerbarkeit aller Menschen begrüßten. Ich habe nichts dagegen, aber für den Nahostkonflikt reicht sie nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt; Hier ist erst einmal der Link zum Original: &lt;a href=&quot;https://archive.ph/2023.10.16-150429/https://www.lrb.co.uk/the-paper/v45/n20/judith-butler/the-compass-of-mourning&quot;&gt;https://archive.ph/2023.10.16-150429/https://www.lrb.co.uk/the-paper/v45/n20/judith-butler/the-compass-of-mourning&lt;/a&gt; . &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich werde in drei Schritten vorgehen: erst einmal sehr wohlwollend den Text zusammenfassen, dann mir die Details anschauen, und anschließend die Manipulationstaktiken, die mit den inhaltlichen Aussagen nichts zu tun haben. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Judith Butler empört sich über den Terror und die Verbrechen der Hamas. Sie will aber nach dem Kontext fragen, denn nur der Kontext erlaube ein tieferes Verständnis der Vergangenheit und eine Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gewalt.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;In dieser Zukunft ohne Gewalt sollen Gerechtigkeit und Freiheit verwirklicht sein, und alle Menschen sollen gleich viel wert sein in dem Sinne, dass sie gleichermaßen betrauerbar sind.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Damit will sie aber nicht die Hamas entschuldigen. Sie ist für ihre Taten verantwortlich. Wer das Gegenteil behauptet, spricht der Hamas ihre Autonomie ab.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Für ein Verständnis der Situation benötigt man den korrekten Rahmen, denn jeder Rahmen bedeutet, dass man über manche Dinge sprechen kann und über andere nicht. Sie hält nicht den Rahmen &amp;quot;Krieg&amp;quot;, sondern den Rahmen &amp;quot;Besatzung&amp;quot; für angemessen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Nun zu den Details: Wie beschreibt sie den Kontext? Er besteht in erster Linie aus einer langen Liste israelischer Verbrechen: Bomben und Luftschläge, so dass Palästinenser ständig in Lebensgefahr sind, Folter, willkürliche Verhaftung Hunger, Enteignung, Staatenlosigkeit.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Kurzum, es handelt sich um ein Leben im Zustand des Todes, ein Leben unter Kolonialherrschaft und Apartheid. Die Versprechen von Oslo wurden gebrochen, die Hamas konnte entstehen und an Macht gewinnen. Wir müssen uns für die letzten siebzig Jahre interessieren.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;So weit die Zusammenfassung, jetzt zu meiner Kritik: Man könnte jeden dieser Vorwürfe darauf überprüfen, ob er wahr ist, ob es sich um Einzelfälle handelt, ob es eine zeitliche Entwicklung gibt und ob es sich im Kontext gesehen wirklich um ein Kriegsvebrechen handelt. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Vor allem aber verdient eine solche Liste nicht den Namen &amp;quot;Kontext&amp;quot;: Ein echter Kontext müsste im 19. Jahrhundert zur Zeit des Osmanischen Reiches beginnen, müsste mit der britischen Mandatsherrschaft fortfahren, dürfte die Shoah nicht auslassen, müsste den Teilungsplan der UN behandeln, die Staatsgründung 1948 und den darauf folgenden Krieg, die späteren Kriege insbesondere den 6-Tage-Krieg, der zur Besetzung der Gebiete geführt hat, die jetzt Westjordanland und Gaza genannt werden. Er müsste den Bürgerkrieg im Libanon behandeln, die erste zweite Intifada, die Serie von Selbstmordanschlägen, die Rolle des Irans, und bei der Beschreibung der Situation der Palästinenser müsste zwischen unterschiedlichen Gruppen differenziert werden: denen, die als Nachfahren der Menschen, die 1948 nicht geflohen sind, jetzt in Israel leben, jenen im Westjordanland, jenen in Gaza, und den Flüchtlingen beziehungsweise deren Nachfahren. Ich schließe jetzt: ich habe nicht vor, ein Buch zu schreiben. Judith Butler hätte genügend Platz für mehr Kontext gehabt, als sie geliefert hat.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Nun zu den Manipulationstaktiken: Eine davon sind die vorweggenommenen Vorwürfe. Aus Diskussionen mit gewöhnlichen Deutschen sind sie mir wohlbekannt: &amp;quot;Man darf das ja nicht mehr sagen, ohne gleich als Nazi oder antisemitisch zu gelten.&amp;quot; &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Wenn die Zuhörer widersprechen, müssen sie sich dann sofort gegen den Vorwurf verteidigen, sie hätten die andere Seite als Nazis oder antisemitisch bezeichnet, auch wenn das nie ihre Absicht war. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Judith Butler verwendet natürlich eine andere Sprache als sie an Stammtischen üblich ist. Aber auch sie möchte sprechen ohne &amp;quot;fear of censorship, criminalisation or being accused of antisemitis.&amp;quot; Sie darf in der London Review of Books schreiben; von Zensur kann also keine Rede sein. In den USA gilt auch Redefreiheit. Aber Kritik wegen Antisemitimus passt nicht wirklich zu den anderen beiden Punkten. Bei ihr als Jüdin bin ich vorsichtig. Allerdings ist sie auch im Vergleich zu anderen Juden und Jüdinnen in der Diaspora extrem.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Tatsächlich betont sie an einer Stelle sogar ihr Jüdischsein und sagt, sie sei imstande, auch die Greueltaten gegenüber Menschen, die nicht sind wie sie, zu benennen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das nächste von ihr behauptete Verbot ist das der &amp;quot;Kontextualisierung&amp;quot;. Sie würde stets als Relativierung angesehen, als würde Kontextualisierung die Empörung verringern. Sie stellt die, die sich empören, jenen gegenüber, die vertieftes Wissen anstreben.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das ist natürlich ein unsinniger Gegensatz. Natürlich ist es gut, wenn man sich um ein Verständnis der Zusammenhänge bemüht. Aber das gewinnt man nicht aus ihrem Text. Die Art und Weise, wie sie kontextualisiert, stellt eine Relativierung dar. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das nächste sind ihre Rassismusvorwürfe, die vor dem Hintergrund, dass sie sich selbst über Antisemitimusvorwürfe beklagt, einen Beigeschmack haben. Ich könnte nun fragen: &amp;quot;Darf ich mich nicht über die Verbrechen der Hamas empören, ohne gleich als rassistisch zu gelten?&amp;quot;&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Die Vorwürfe werden an zwei Stellen konkret: während sie sich auch mit Menschen identifizieren kann, die anders sind als sie, könne ihre jüdische Freundin dies nicht. Und dies beruhe darauf, dass im gängigen Rahmen manche Menschen betrauert werden können und andere nicht. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Es sei eine rassistische Struktur, in welcher Menschen unterschiedlich viel wert sind. Auf diese Weise verschwindet der qualitative Unterschied zwischen den Verbrechen der Hamas und allem, was Israel je getan hat. Aber vielleicht ist Trauer auch die falsche Kategorie. Sie ist zunächst ein Gefühl der direkten Angehörigen der Opfer. Andere können mit ihnen solidarisch sein, und sie können sich über die Verbrechen entsetzen. Aber wenn für dieses Verbrechen eine plastische Sprache gewählt wird und die Täter als Tiere bezeichnet werden, ist das auch rassistisch, schon immer seien nämlich Menschen, die ihre kollektiven Fesseln abstreifen wollten, als Tiere bezeichnet worden. Und schon ist es passiert, das von der Hamas verübte Massaker wird zum Befreiungskampf umgedeutet. Wahrscheinlich liegt das an ihrem &amp;quot;Rahmen&amp;quot;. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Zuletzt noch ein paar Worte zu ihrer Hoffnung für die Zukunft der Region. Gewaltfreiheit, Selbstbestimmung, Befreiung von Kolonialherrschaft, Freiheit und Gleichheit. Sie hofft auch auf ein Verschwinden der Hamas. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Anscheinend hofft sie aber auch auf ein Verschwinden des Staates Israel &amp;quot;founded in violence&amp;quot;. Was mit den jüdischen Bewohnern Israels geschehen soll, verrät sie nicht, auch nicht, wie diese nach allem, was geschehen ist, in einem palästinensischen Staat leben sollen. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich weiß nicht, wen sie ansprechen will. Wahrscheinlich die, die ohnehin ihrer Meinung sind. Ich möchte die ansprechen, die beim Thema Israel meiner Meinung sind, aber sich von ihren Worten zu Gewaltfreiheit täuschen lassen.&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Thu, 09 Nov 2023 11:55:43 GMT</pubDate>
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			<source:markdown>Ich habe mir Zeit genommen, den Text &quot;Compass of Mourning&quot; von Judith Butler genau zu lesen, weil einige, mit denen ich diskutiert habe, ihre Moral der gleichen Betrauerbarkeit aller Menschen begrüßten. Ich habe nichts dagegen, aber für den Nahostkonflikt reicht sie nicht.&#10;&#10;Hier ist erst einmal der Link zum Original: https://archive.ph/2023.10.16-150429/https://www.lrb.co.uk/the-paper/v45/n20/judith-butler/the-compass-of-mourning .&#10;&#10;Ich werde in drei Schritten vorgehen: erst einmal sehr wohlwollend den Text zusammenfassen, dann mir die Details anschauen, und anschließend die Manipulationstaktiken, die mit den inhaltlichen Aussagen nichts zu tun haben.&#10;&#10;Judith Butler empört sich über den Terror und die Verbrechen der Hamas. Sie will aber nach dem Kontext fragen, denn nur der Kontext erlaube ein tieferes Verständnis der Vergangenheit und eine Hoffnung auf eine Zukunft ohne Gewalt.&#10;&#10;In dieser Zukunft ohne Gewalt sollen Gerechtigkeit und Freiheit verwirklicht sein, und alle Menschen sollen gleich viel wert sein in dem Sinne, dass sie gleichermaßen betrauerbar sind.&#10;&#10;Damit will sie aber nicht die Hamas entschuldigen. Sie ist für ihre Taten verantwortlich. Wer das Gegenteil behauptet, spricht der Hamas ihre Autonomie ab.&#10;&#10;Für ein Verständnis der Situation benötigt man den korrekten Rahmen, denn jeder Rahmen bedeutet, dass man über manche Dinge sprechen kann und über andere nicht. Sie hält nicht den Rahmen &quot;Krieg&quot;, sondern den Rahmen &quot;Besatzung&quot; für angemessen.&#10;&#10;Nun zu den Details: Wie beschreibt sie den Kontext? Er besteht in erster Linie aus einer langen Liste israelischer Verbrechen: Bomben und Luftschläge, so dass Palästinenser ständig in Lebensgefahr sind, Folter, willkürliche Verhaftung Hunger, Enteignung, Staatenlosigkeit.&#10;&#10;Kurzum, es handelt sich um ein Leben im Zustand des Todes, ein Leben unter Kolonialherrschaft und Apartheid. Die Versprechen von Oslo wurden gebrochen, die Hamas konnte entstehen und an Macht gewinnen. Wir müssen uns für die letzten siebzig Jahre interessieren.&#10;&#10;So weit die Zusammenfassung, jetzt zu meiner Kritik: Man könnte jeden dieser Vorwürfe darauf überprüfen, ob er wahr ist, ob es sich um Einzelfälle handelt, ob es eine zeitliche Entwicklung gibt und ob es sich im Kontext gesehen wirklich um ein Kriegsvebrechen handelt.&#10;&#10;Vor allem aber verdient eine solche Liste nicht den Namen &quot;Kontext&quot;: Ein echter Kontext müsste im 19. Jahrhundert zur Zeit des Osmanischen Reiches beginnen, müsste mit der britischen Mandatsherrschaft fortfahren, dürfte die Shoah nicht auslassen, müsste den Teilungsplan der UN behandeln, die Staatsgründung 1948 und den darauf folgenden Krieg, die späteren Kriege insbesondere den 6-Tage-Krieg, der zur Besetzung der Gebiete geführt hat, die jetzt Westjordanland und Gaza genannt werden. Er müsste den Bürgerkrieg im Libanon behandeln, die erste zweite Intifada, die Serie von Selbstmordanschlägen, die Rolle des Irans, und bei der Beschreibung der Situation der Palästinenser müsste zwischen unterschiedlichen Gruppen differenziert werden: denen, die als Nachfahren der Menschen, die 1948 nicht geflohen sind, jetzt in Israel leben, jenen im Westjordanland, jenen in Gaza, und den Flüchtlingen beziehungsweise deren Nachfahren. Ich schließe jetzt: ich habe nicht vor, ein Buch zu schreiben. Judith Butler hätte genügend Platz für mehr Kontext gehabt, als sie geliefert hat.&#10;&#10;Nun zu den Manipulationstaktiken: Eine davon sind die vorweggenommenen Vorwürfe. Aus Diskussionen mit gewöhnlichen Deutschen sind sie mir wohlbekannt: &quot;Man darf das ja nicht mehr sagen, ohne gleich als Nazi oder antisemitisch zu gelten.&quot;&#10;&#10;Wenn die Zuhörer widersprechen, müssen sie sich dann sofort gegen den Vorwurf verteidigen, sie hätten die andere Seite als Nazis oder antisemitisch bezeichnet, auch wenn das nie ihre Absicht war.&#10;&#10;Judith Butler verwendet natürlich eine andere Sprache als sie an Stammtischen üblich ist. Aber auch sie möchte sprechen ohne &quot;fear of censorship, criminalisation or being accused of antisemitis.&quot; Sie darf in der London Review of Books schreiben; von Zensur kann also keine Rede sein. In den USA gilt auch Redefreiheit. Aber Kritik wegen Antisemitimus passt nicht wirklich zu den anderen beiden Punkten. Bei ihr als Jüdin bin ich vorsichtig. Allerdings ist sie auch im Vergleich zu anderen Juden und Jüdinnen in der Diaspora extrem.&#10;&#10;Tatsächlich betont sie an einer Stelle sogar ihr Jüdischsein und sagt, sie sei imstande, auch die Greueltaten gegenüber Menschen, die nicht sind wie sie, zu benennen.&#10;&#10;Das nächste von ihr behauptete Verbot ist das der &quot;Kontextualisierung&quot;. Sie würde stets als Relativierung angesehen, als würde Kontextualisierung die Empörung verringern. Sie stellt die, die sich empören, jenen gegenüber, die vertieftes Wissen anstreben.&#10;&#10;Das ist natürlich ein unsinniger Gegensatz. Natürlich ist es gut, wenn man sich um ein Verständnis der Zusammenhänge bemüht. Aber das gewinnt man nicht aus ihrem Text. Die Art und Weise, wie sie kontextualisiert, stellt eine Relativierung dar.&#10;&#10;Das nächste sind ihre Rassismusvorwürfe, die vor dem Hintergrund, dass sie sich selbst über Antisemitimusvorwürfe beklagt, einen Beigeschmack haben. Ich könnte nun fragen: &quot;Darf ich mich nicht über die Verbrechen der Hamas empören, ohne gleich als rassistisch zu gelten?&quot;&#10;&#10;Die Vorwürfe werden an zwei Stellen konkret: während sie sich auch mit Menschen identifizieren kann, die anders sind als sie, könne ihre jüdische Freundin dies nicht. Und dies beruhe darauf, dass im gängigen Rahmen manche Menschen betrauert werden können und andere nicht.&#10;&#10;Es sei eine rassistische Struktur, in welcher Menschen unterschiedlich viel wert sind. Auf diese Weise verschwindet der qualitative Unterschied zwischen den Verbrechen der Hamas und allem, was Israel je getan hat. Aber vielleicht ist Trauer auch die falsche Kategorie. Sie ist zunächst ein Gefühl der direkten Angehörigen der Opfer. Andere können mit ihnen solidarisch sein, und sie können sich über die Verbrechen entsetzen. Aber wenn für dieses Verbrechen eine plastische Sprache gewählt wird und die Täter als Tiere bezeichnet werden, ist das auch rassistisch, schon immer seien nämlich Menschen, die ihre kollektiven Fesseln abstreifen wollten, als Tiere bezeichnet worden. Und schon ist es passiert, das von der Hamas verübte Massaker wird zum Befreiungskampf umgedeutet. Wahrscheinlich liegt das an ihrem &quot;Rahmen&quot;.&#10;&#10;Zuletzt noch ein paar Worte zu ihrer Hoffnung für die Zukunft der Region. Gewaltfreiheit, Selbstbestimmung, Befreiung von Kolonialherrschaft, Freiheit und Gleichheit. Sie hofft auch auf ein Verschwinden der Hamas.&#10;&#10;Anscheinend hofft sie aber auch auf ein Verschwinden des Staates Israel &quot;founded in violence&quot;. Was mit den jüdischen Bewohnern Israels geschehen soll, verrät sie nicht, auch nicht, wie diese nach allem, was geschehen ist, in einem palästinensischen Staat leben sollen.&#10;&#10;Ich weiß nicht, wen sie ansprechen will. 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			</item>
		<item>
			<description>&lt;p&gt;Unbeliebte Meinung. Mein Traum als Fahrradfahrerin ist nicht, dass ich ein geschütztes Reservat bekomme. Mein Traum ist, dass ich ohne Angst und ohne zornige Autofahrer die Fahrbahn nutzen kann, insbesondere auch zum direkten Linksabbiegen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Die beste Erneuerung, die ich als Fahrradfahrerin erlebt habe, war die großzügige Einführung von Tempo-30-Zonen: Auf einmal musste ich nicht mehr ewig auf eine Lücke warten, um mich links einzuordnen. Bei ähnlichem Tempo reichen viel kleinere Lücken.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;(Das ist auch der wichtigste Grund für Tempo 120 oder 130. Ohne Menschen, die mit 180 fahren, ist es viel einfacher, sich zum Überholen von LKWs auf der mittleren Spur einzuordnen. Alle, die mit einem Tempo zwischen 100 und 130 unterwegs sind, würden profitieren.)&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Jetzt wohne ich in einer Tempo-30-Zone. Die meisten Autofahrer haben akzeptiert, dass sie nicht schnell vorankommen, nicht nur wegen der Fahrradfahrer, sondern auch wegen der Lieferwagen, die in zweiter Reihe halten, und den ein- und ausparkenden Autos.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich fahre ohne Furcht mit angemessenem Abstand zu parkenden Autos; wenn ich links abbiegen will, sogar in der Mitte der Fahrbahn, und werde nicht angehupt. Die anstrengendsten Situationen entstehen, wenn zwei sich entgegenkommende Autos die Straße blockieren.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Und nein, auch das ist kein Grund, mit dem Fahrrad auf dem Gehweg zu fahren. Auch Fahrradfahrer dürfen nicht die Verkehrsregeln brechen, nur weil sie einmal warten müssen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Die angenehmste Straße ist aber &amp;quot;Auf dem Emmerberge&amp;quot;. Außer bei Ein- und Ausfahrten ist sie komplett zugeparkt, aber entgegenkommende Autos sind immer freundlich und halten in einer Lücke, die durch Ein- oder Ausfahrt entstanden ist, so dass man aneinander vorbei kommt.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ein freundliches gleichberechtigtes Miteinander auf der Fahrbahn ist also meine Utopie, und sie ist nicht unrealistisch. Autofahrer müssen dazu akzeptieren, dass sie nicht immer so schnell fahren können, wie sie gerne fahren würden. Fahrradfahrer aber auch.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;In Tempo-30-Zonen wird es möglich. Ich bin gegen Fahrradwege in Tempo-30-Zonen, weil der günstigste, am besten gepflegte und schnellste Weg fast immer die Fahrbahn ist. In Frankreich gibt es ein Schild: &amp;quot;Partagez la route&amp;quot;. Das muss das Motto sein.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich denke, dass Auto und Fahrrad auf der Fahrbahn eine bessere Kombination ist als Fahrradfahrer und Fußgänger auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg oder Gehweg &amp;quot;Radfahrer frei&amp;quot;. Im Gegensatz zu Radfahrern und Autofahrern haben Fußgänger ein Recht auf Unaufmerksamkeit.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Sie dürfen in die Gegend oder auf ihr Smartphone oder zu ihren Freunden schauen, solange sie auf dem Gehweg sind. Auch kleine Kinder dürfen sich dort bewegen, ohne ständig aufpassen zu dürfen. Auf andere Fußgänger muss man natürlich Rücksicht nehmen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Egal, wie man kombiniert, der stärkere Teil muss Rücksicht nehmen und langsamer fahren, als er eigentlich könnte. ln Städten, insbesondere in Wohngebieten sollten das Autofahrer sein. Städte sind ungeeignet, um möglichst schnell mit dem Auto von A nach B zu gelangen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ein Wort noch zu &amp;quot;Magistralen&amp;quot;, den großen Ein- und Ausfallstraßen, in Hannover zum Beispiel die Hildesheimer Straße und die Varenwalder Straße. Lange war ich geneigt, sie von meinen Überlegungen auszunehmen. Jetzt habe ich gelesen, dass sie zu den unfallträchtigsten Straßen Niedersachsens gehören. Kein Wunder, dort wird häufig schneller als fünfzig gefahren. Vielleicht müsste man sagen: wer schnell in der Stadt sein will, muss die U-Bahn nehmen. In Holland gibt es überall Park and Ride.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das war jetzt ein Punkt aus den Niederlanden, den ich gerne einführen würde. Was ich nicht unbedingt einführen möchte: Zweirichtungswege auf einer Straßenseite. Sie wären geschützt, aber wenn man links abbiegen will oder wenn man zu einem Haus oder Geschäft auf der anderen Straßenseite möchte, entstehen die gleichen Probleme, die man auch jetzt hat: irgendwie muss man die Straße überqueren, und anschließend fahren die Fahrradfahrer die letzten Meter zur Haustür auf dem Gehweg. Und Autofahrer erwarten auf &amp;quot;ihrer&amp;quot; Fahrbahn freie Fahrt.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ja, mein Konzept erfordert, dass Autofahrer langsamer und rücksichtsvoller fahren, und es erfordert gewisse Fähigkeiten von Radfahrern. Kleine Kinder, die beim Schulterblick den Lenker verdrehen, können nicht auf der Fahrbahn fahren. Auch jetzt nicht.&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Sun, 29 Oct 2023 12:32:07 GMT</pubDate>
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			</item>
		<item>
			<description>&lt;p&gt;Vor einigen Jahrzehnten habe ich beschlossen, dass ich mir keine Gedanken darum machen werde, was die beste Lösung für den Nahostkonflikt ist: Zweistaatenlösung, Einstaatenlösung, was auch immer. Aus der Ferne und nur mit Laienwissen kann ich dazu nichts sagen, was klüger wäre als das, was die Menschen vor Ort oder echte Experten sagen. Dazu kommt, dass die deutsche Vergangenheit die Positionen zum Nahostkonflikt beeinflusst: Entweder Schuldabwehr, so dass man sich freut, wenn man sagen kann: &amp;quot;aber schaut mal, was jetzt die Israelis mit den Arabern machen&amp;quot; (ich weiß gar nicht, ob der Spruch noch aktuell ist) oder übertriebener Philosemitismus, der von den Betroffenen häufig auch als unangenehm empfunden wird, weil sie spüren, dass etwas überdeckt wird.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Stattdessen habe ich beschlossen, mich mehr mit der Geschichte des NS und des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Ich weiß mittlerweile viel mehr, als ich in der Schule gelernt habe. Ich habe auch die emotionalen Verstrickungen besser reflektiert.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Zu den Massakern kann ich etwas sagen. Es sind Massaker; über tausend Menschen sind gestorben, viele kleine Kinder darunter, es ist absolut entsetzlich. Israel hat das Recht, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Jetzt geht es um zivile Opfer. Erst einmal: es ist ein Unterschied, ob man das Ziel hat, Zivilisten umzubringen, oder ob dies unvermeidlich ist, wenn man ein militärisches Ziel erreichen will. In einer Gerichtsverhandlung (die es nie geben wird) würde gefragt werden, ob Israel alles getan hat, was es konnte, um zivile Opfer zu vermeiden. Vielleicht kann man bei Einzeloperationen fragen, ob das Erreichen des taktischen oder operationellen Ziels die Opfer rechtfertigt. Das Gesamtziel der Operation, nämlich dafür zu sorgen, dass solch ein Massaker nicht mehr vorkommt, kann nicht in Frage gestellt werden. Es kann nur gefragt werden, ob Israel alles tut, um die Zahl der Opfer zu minimieren. Man kann nicht verlangen, dass Israel der Gefährdung der eigenen Bürger tatenlos zusieht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Auf der anderen Seite verlangt das Völkerrecht auch, dass die Seite, deren Zivilisten in Gefahr sind, alles tut, um ihre Zivilisten zu schützen, und zwar vor allem durch eine klare Trennung: zum Beispiel müssen Soldaten Uniform tragen, während Zivilisten ohne Uniform sich nicht als &amp;quot;Freischärler&amp;quot; betätigen dürfen. Aktuell ist besonders die Trennung zwischen militärischen und zivilen Einrichtungen von Bedeutung, aber das mit den Uniformen ist auch interessant, weil dadurch in Erinnerung gerufen wird, dass Gaza kein regulärer Staat mit einer regulären Armee ist. Die Hamas ist weder Armee noch Regierung, sondern eine Terrororganisation.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich habe keine Ahnung, wie Gaza nach dem Ende einer Bodenoffensive aussehen könnte. Eine Rückkehr zum gegenwärtigen Status schließe ich aus.&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Sat, 14 Oct 2023 09:59:10 GMT</pubDate>
			<link>https://blue.feedland.org/?item=153990</link>
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			<description>&lt;p&gt;Ich habe das Buch &amp;quot;Woke is not Left&amp;quot; aus der Bibliothek ausgeliehen und beschlossen, meine eigenen Gedanken zum Thema aufzuschreiben, bevor ich beginne, es zu lesen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich bin in Foren, die sich in erster Linie an Fans von Populärkultur richteten (und wo ich doppelt so alt war wie die typischen Teilnehmerin) auf das Phänomen gestoßen: Eine Form des Antirassismus, die sich deutlich von dem unterschied, was ich kannte.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich stieß auch sofort auf die unangenehmen Phänomene, zum Beispiel, dass Menschen kritisiert und mit Shitstorms überzogen wurden ohne Rücksicht darauf, dass sie noch jung waren oder außerhalb der USA lebten und Details der amerikanischen Geschichte nicht kannten.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Immerhin war es ein Anlass, mich ausführlich mit dem Phänomen zu beschäftigen und meine eigene Position zu festigen: die Werte der liberalen Demokratie, also Individualismus und Universalismus, dazu soziale Gerechtigkeit.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;&amp;quot;Woke&amp;quot; ist kein klar definierter Begriff. Ich weiß nicht, ob es jemals eine Selbstbezeichnung war, zur Zeit erlebe ich vor allem, dass &amp;quot;Woke&amp;quot; als Schmähung gebraucht wird. Ich werde versuchen, ohne dieses Wort auszukommen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Erst einmal eine Liste der Einzelphänomene: Kritik an &amp;quot;Appropriierung&amp;quot; (Rastazöpfe), Aufforderung, Privilegien zu überprüfen, Triggerwarnungen für einzelne Wörter, Kritik auch an positiven Klischees, der Versuch, Bücher aus Bibliotheken zu verbannen, &amp;quot;Definitionsmacht&amp;quot;.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Um es klarzustellen: ich finde es sehr wichtig, sich mit Geschichte zu beschäftigen, und dabei halte ich es auch für in Ordnung, wenn die Geschichte des eigenen Landes im Zentrum steht. Es wäre schräg, wenn Deutsche mehr über Sklaverei in den USA als über die Shoah wissen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Und ich finde es wichtig, sich mit Details zu beschäftigen und Bücher und nicht nur Zusammenfassungen von zwei Seiten zu lesen. Früher kannte ich Marxisten, bei denen ich mich fragte, ob ihre Kenntnisse sich auf die berühmte Passage von der &amp;quot;Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen&amp;quot; beschränkten. Heute gibt es Menschen, deren Geschichtsbild das eines Kampfes von privilegierten Europäern gegen den Rest der Welt ist.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Und das macht dieses Weltbild insgesamt aus: auf der einen Seite die Unterdrückten, auf der anderen Seite die Privilegierten beziehungsweise die Unterdrücker. Keines der oben aufgelisteten Phänomene kommt ohne eine solche Einteilung aus.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das bedeutet auch, dass eine Rangfolge unerlässlich ist: wer ist am meisten unterdrückt? &amp;quot;Oppression Olympics&amp;quot; werden zwar verachtet, aber ohne kommt man nicht aus, wenn man klären möchte, wer die &amp;quot;Definitionsmacht&amp;quot; haben soll oder wer appropriieren darf und wer nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Natürlich ist dieses Weltbild primitiv. Es lässt außer Acht, dass auch Menschen, die unterdrückt werden, sich furchtbar verhalten können, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Und zwar nicht nur marginalisierte Männer gegen marginalisierte Frauen - das passt noch zur Rangfolge der Unterdrückung - sondern auch beispielsweise marginalisierte Männer gegen privilegierte Männer, wenn sie zufällig in der Überzahl sind. Wenn es doch passiert, muss es umgedeutet werden.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das erklärt die furchtbaren Reaktionen vieler Linker auf islamistische Attentate bis hin zu dem, was jetzt in Israel passiert: &amp;quot;Man muss verstehen, es handelt sich nur um eine Reaktion auf die Unterdrückung.&amp;quot;&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das ist natürlich eine viel zu primitive Erklärung, wenn es darum geht, zu erklären, warum Menschen unschuldige Zivilisten und sogar Kinder ermorden. Und eine valide Rechtfertigung ist es schon gar nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Aber vielleicht haben wir hier eine Erklärung (keine Rechtfertigung) des Phänomens: junge Menschen in Demokratien können sich an Befreiungskämpfen beteiligen. Das ist deutlich cooler als die mühsame Arbeit an Problemen, die es auch in Demokratien gibt.&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Thu, 12 Oct 2023 10:01:53 GMT</pubDate>
			<link>https://blue.feedland.org/?item=151186</link>
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			<description>&lt;p&gt;Ich habe das Buch &amp;quot;Woke is not Left&amp;quot; aus der Bibliothek ausgeliehen und beschlossen, meine eigenen Gedanken zum Thema aufzuschreiben, bevor ich beginne, es zu lesen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich bin in Foren, die sich in erster Linie an Fans von Populärkultur richteten (und wo ich doppelt so alt war wie die typischen Teilnehmerin) auf das Phänomen gestoßen: Eine Form des Antirassismus, die sich deutlich von dem unterschied, was ich kannte.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich stieß auch sofort auf die unangenehmen Phänomene, zum Beispiel, dass Menschen kritisiert und mit Shitstorms überzogen wurden ohne Rücksicht darauf, dass sie noch jung waren oder außerhalb der USA lebten und Details der amerikanischen Geschichte nicht kannten.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Immerhin war es ein Anlass, mich ausführlich mit dem Phänomen zu beschäftigen und meine eigene Position zu festigen: die Werte der liberalen Demokratie, also Individualismus und Universalismus, dazu soziale Gerechtigkeit.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;&amp;quot;Woke&amp;quot; ist kein klar definierter Begriff. Ich weiß nicht, ob es jemals eine Selbstbezeichnung war, zur Zeit erlebe ich vor allem, dass &amp;quot;Woke&amp;quot; als Schmähung gebraucht wird. Ich werde versuchen, ohne dieses Wort auszukommen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Erst einmal eine Liste der Einzelphänomene: Kritik an &amp;quot;Appropriierung&amp;quot; (Rastazöpfe), Aufforderung, Privilegien zu überprüfen, Triggerwarnungen für einzelne Wörter, Kritik auch an positiven Klischees, der Versuch, Bücher aus Bibliotheken zu verbannen, &amp;quot;Definitionsmacht&amp;quot;.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Um es klarzustellen: ich finde es sehr wichtig, sich mit Geschichte zu beschäftigen, und dabei halte ich es auch für in Ordnung, wenn die Geschichte des eigenen Landes im Zentrum steht. Es wäre schräg, wenn Deutsche mehr über Sklaverei in den USA als über die Shoah wissen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Und ich finde es wichtig, sich mit Details zu beschäftigen und Bücher und nicht nur Zusammenfassungen von zwei Seiten zu lesen. Früher kannte ich Marxisten, bei denen ich mich fragte, ob ihre Kenntnisse sich auf die berühmte Passage von der &amp;quot;Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen&amp;quot; beschränkten. Heute gibt es Menschen, deren Geschichtsbild das eines Kampfes von privilegierten Europäern gegen den Rest der Welt ist.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Und das macht dieses Weltbild insgesamt aus: auf der einen Seite die Unterdrückten, auf der anderen Seite die Privilegierten beziehungsweise die Unterdrücker. Keines der oben aufgelisteten Phänomene kommt ohne eine solche Einteilung aus.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das bedeutet auch, dass eine Rangfolge unerlässlich ist: wer ist am meisten unterdrückt? &amp;quot;Oppression Olympics&amp;quot; werden zwar verachtet, aber ohne kommt man nicht aus, wenn man klären möchte, wer die &amp;quot;Definitionsmacht&amp;quot; haben soll oder wer appropriieren darf und wer nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Natürlich ist dieses Weltbild primitiv. Es lässt außer Acht, dass auch Menschen, die unterdrückt werden, sich furchtbar verhalten können, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Und zwar nicht nur marginalisierte Männer gegen marginalisierte Frauen - das passt noch zur Rangfolge der Unterdrückung - sondern auch beispielsweise marginalisierte Männer gegen privilegierte Männer, wenn sie zufällig in der Überzahl sind. Wenn es doch passiert, muss es umgedeutet werden.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das erklärt die furchtbaren Reaktionen vieler Linker auf islamistische Attentate bis hin zu dem, was jetzt in Israel passiert: &amp;quot;Man muss verstehen, es handelt sich nur um eine Reaktion auf die Unterdrückung.&amp;quot;&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das ist natürlich eine viel zu primitive Erklärung, wenn es darum geht, zu erklären, warum Menschen unschuldige Zivilisten und sogar Kinder ermorden. Und eine valide Rechtfertigung ist es schon gar nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Aber vielleicht haben wir hier eine Erklärung (keine Rechtfertigung) des Phänomens: junge Menschen in Demokratien können sich an Befreiungskämpfen beteiligen. Das ist deutlich cooler als die mühsame Arbeit an Problemen, die es auch in Demokratien gibt.&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Thu, 12 Oct 2023 09:59:14 GMT</pubDate>
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