<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!-- RSS generated by feedland v0.6.43 on Sat, 06 Jul 2024 18:41:07 GMT -->
<rss version="2.0" xmlns:source="http://source.scripting.com/">
	<channel>
		<title>My Feed</title>
		<link>https://blue.feedland.org/?river=http://data.feedland.org/blue/feeds/Dumbel.xml</link>
		<description>It's just a feed for now</description>
		<pubDate>Sat, 06 Jul 2024 18:41:07 GMT</pubDate>
		<generator>feedland v0.6.43</generator>
		<docs>https://cyber.harvard.edu/rss/rss.html</docs>
		<lastBuildDate>Sat, 06 Jul 2024 18:41:07 GMT</lastBuildDate>
		<cloud domain="rpc.rsscloud.io" port="5337" path="/pleaseNotify" registerProcedure="" protocol="http-post" />
		<source:cloud>http://rpc.rsscloud.io:5337/pleaseNotify</source:cloud>
		<source:localTime>Sat, July 6, 2024 2:41 PM EDT</source:localTime>
		<item>
			<description>&lt;p&gt;Sodele, nachdem ich erzählt habe, warum ich (anfänglich eher aus praktischen Gründen) Staatsanwältin geworden bin, jetzt die Ergänzung, warum ich es geblieben bin und inzwischen sogar gern mache. Und mich bewusst gegen das Richterinnenamt entschieden habe. Disclaimer: meine ganz persönlichen Erfahrungen, allein die zahlreichen Kolleg*innen, die ich nicht überzeugen konnte und die jetzt in der Richterschaft sind, zeigen, dass man alles ganz anders sehen und erfahren kann. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich hatte den Vergleich aus Amtsgericht und Staatsanwaltschaft. Landgericht war ich nur sehr kurz, die möglichen Vorteile dort, habe ich nicht erfahren und kenne sie allenfalls aus Erzählungen. Die Standorte sind hier auch alle sehr klein, das kommt mir entgegen. Man duzt sich (außer LOStA), die Dienstwege sind kurz. An großen Behörden wird das alles ganz anders sein. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Erstmal habe ich festgestellt, dass man bei der StA gar nicht so viel Strafrecht können muss. Denn ich hatte ein fest umrissenes Dezernat. So Sachen, wie Betrug oder Raub oder gar Brandstiftung (da sind wir Kollektiv durchgefallen) kam nicht vor. Ein fester Deliktsbereich, den ich mir dann auch erarbeiten konnte. Üblicherweise bekommen Assessor*innen sogenannte allgemeine Dezernate, da wäre das anders gewesen, aber ich hatte da Glück. Zum Anderen bin ich umgeben von anderen Strafrechtler*innen. Ich hatte schnell raus, wen man fragt, wenn man eine schnelle Erledigung braucht (Amtsanwält*innen), wen man fragt, wenn man kreativ ermitteln will (OK) und wen, wenn man etwas richtig verbockt hat (die jungen Verplanten, die verpetzen einen nicht). Beim Amtsgericht war ich da deutlich einsamer, spätestens ab halb 4 war ich allein und für alle Eilsachen zuständig. Klar hatte ich da extrem Glück mit den Kolleginnen (es waren die weiblichen), aber bei der StA hieß es: ich geh erst, wenn du es im Griff hast. Das ist übrigens eine Haltung, die ich selbst heute pflege. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Rechtlich war es also erstmal deutlich stressfreier, da umgrenzter. Als Strafrichterin hatte ich auch Tierschutz, Insolvenzverschleppung, pornographische Schriften (die illegalen) und viele, viele Personen, die einfach nur Pech hatten. So richtig kompetent kam ich mir da nicht vor und die Vorstellung, ggf ins Familienrecht oder irgendeine ganz abseitige Materie (Landwirtschaftsrecht??) versetzt zu werden, gruselte mich. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Durch die Spezialisierung hatte ich auch fachliche Vorteile gegenüber dem Gericht. Ich habe schon wirklich falsche Anklagen geschrieben und musste dann peinlich berührt zusehen, wie das Gericht versucht hat, meine Rechtsauffassung zu unterfüttern, denn man ging davon aus, dass das so falsch nicht sein könne. Gleichzeitig nimmt es mir auch viel Druck zu wissen, dass ich auch „nur“ Anträge stelle. Inzwischen kennen die Gerichte mich, wissen, wie ich arbeite und dass sie Anträge im vereinfachten Jugendverfahren fast schon detaillierter prüfen müssen, als Landgerichtsanklagen. Wenn ich nicht bekomme, was ich beantragt habe, darf mir auch kein Zacken aus der Krone brechen, das gehört dazu. Wenn mir die GenStA sagt, dass ich alles nochmal machen soll, auch. Klar, ist unangenehm, aber ich bin auch nur die allererste Stelle, die das juristisch einordnet und ich bekomme mit Abstand am wenigsten Zeit zugestanden. Man muss also damit umgehen können, dass man von anderen gesagt bekommt, wie man es machen soll. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Aber dann erkannte ich, dass die StA auch familienfreundlicher war. Ich hatte einen Sitzungstag pro Woche, auch mal zwei, aber erstens nicht drei wie vorher und die Sitzungen waren deutlich stressfreier. Der Erledigungsdruck ist nicht da. Wenn keine*r kommt: egal! Ich mache meine Erledigungen am Schreibtisch, mal am Wochenende, mal spät abends, in den Ferien auch gern früh morgens. Ich muss kaum mal wen anhören, brauche keinen Saal und bin dadurch viel viel freier. Ich habe auch Zeit in den Sitzungen. Wenn eine Sache drei Monate dauert: egal! Ich geh eh jede Woche zu Gericht, wenn statt 15 nur 4 Termine gebraucht werden, gewinne ich gar nichts, weil ich dann ja woanders eingeteilt werde. (Diesen fehlenden Termindruck kann man auch bei Dealgesprächen einsetzen). &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das, was natürlich immer gegen die StA spricht, sind die internen Weisungen. Erlasse, Hausverfügungen. Man muss berichten, wenn was Relevantes passiert (man zB einen SEK-Einsatz im Wohngebiet ausgelöst hat), da schaffe ich es bis heute nicht, auf Anhieb alle Formalia einzuhalten und viele, die sich gegen uns und fürs Gericht entscheiden, führen grade die Berichte als Negativpunkt auf. Diese internen Weisungen sind bei uns allerdings nicht so stark ausgeprägt. Klar muss ich eine Berufung bei der Abteilungsleitung abzeichnen lassen, aber da geh ich mit rüber, es wird gezeichnet und ich nehm’s wieder mit. Das ist nach mehreren Jahren Dienstzeit auch echt nicht mehr so wild. Da fühl ich mich jetzt nicht beeinträchtigt. (Meinen Urlaub mit der eigenen Kammer und teils auch der Vertretungskammer absprechen zu müssen, fänd ich deutlich einschränkender).  Man hat auch die Querulanten an der Backe. Leute, die den Postzusteller anzeigen, weil der bestimmt für die Stasi arbeitet. Aber ich mag auch das (vermutlich als Einzige). Denn man darf nie vergessen: jede Anzeige ist aus irgendeinem Grund erstattet worden, irgendeine Geschichte gibts immer. Da sind Personen, die sich hilfesuchend an die Polizei gewandt haben (auch bei falschen Anzeigen!) und deren Geschichte landet in einem Bürogebäude ohne Publikumsverkehr, bei völlig unbekannten Leuten ohne Gesicht aber mit Macht. Und die entscheiden, in welche Richtung es geht. Daher stecke ich persönlich auch immer sehr viel Zeit in Einstellungsbescheide, denn ein nennenswerter Teil versteht vermutlich noch nicht einmal, warum statt der Polizei jetzt die StA schreibt. &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Was ich tatsächlich auch bemerkt habe: man stumpft ab. Das sprachliche Niveau ist lang nicht mehr so gehoben und feintariert wie noch zu Studienzeiten und man macht (intern) auch Witze, wenn teils völlig absurde Situationen auftauchen. Vermutlich braucht man das, um ein Gleichgewicht gegenüber dem Schlimmen zu haben. Aber ich mache es wirklich gern. Ich kann gut zuhören, habe ein Gespür für die Geschichte hinter der Anzeige und nehme jede*n ernst. Und das spüren die Beteiligten gerade in den Sexualdelikten auch. Ja, ein Vergewaltiger soll lange in Haft, aber er darf sich gerne Verteidiger nehmen, die mich und die durch mich ermittelte Beweislage herausfordern. Inzwischen bin ich lange genug dabei, dass ich auch fachliche Herausforderungen nicht mehr fürchte :). &lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Hui. Lang geworden und sehr persönlich :).&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Sat, 06 Jul 2024 18:41:07 GMT</pubDate>
			<link>https://blue.feedland.org/?item=461677</link>
			<guid>https://blue.feedland.org/?item=461677</guid>
			<source:markdown>Sodele, nachdem ich erzählt habe, warum ich (anfänglich eher aus praktischen Gründen) Staatsanwältin geworden bin, jetzt die Ergänzung, warum ich es geblieben bin und inzwischen sogar gern mache. Und mich bewusst gegen das Richterinnenamt entschieden habe. Disclaimer: meine ganz persönlichen Erfahrungen, allein die zahlreichen Kolleg\*innen, die ich nicht überzeugen konnte und die jetzt in der Richterschaft sind, zeigen, dass man alles ganz anders sehen und erfahren kann.&#10;&#10;Ich hatte den Vergleich aus Amtsgericht und Staatsanwaltschaft. Landgericht war ich nur sehr kurz, die möglichen Vorteile dort, habe ich nicht erfahren und kenne sie allenfalls aus Erzählungen. Die Standorte sind hier auch alle sehr klein, das kommt mir entgegen. Man duzt sich (außer LOStA), die Dienstwege sind kurz. An großen Behörden wird das alles ganz anders sein.&#10;&#10;Erstmal habe ich festgestellt, dass man bei der StA gar nicht so viel Strafrecht können muss. Denn ich hatte ein fest umrissenes Dezernat. So Sachen, wie Betrug oder Raub oder gar Brandstiftung (da sind wir Kollektiv durchgefallen) kam nicht vor. Ein fester Deliktsbereich, den ich mir dann auch erarbeiten konnte. Üblicherweise bekommen Assessor\*innen sogenannte allgemeine Dezernate, da wäre das anders gewesen, aber ich hatte da Glück. Zum Anderen bin ich umgeben von anderen Strafrechtler\*innen. Ich hatte schnell raus, wen man fragt, wenn man eine schnelle Erledigung braucht (Amtsanwält\*innen), wen man fragt, wenn man kreativ ermitteln will (OK) und wen, wenn man etwas richtig verbockt hat (die jungen Verplanten, die verpetzen einen nicht). Beim Amtsgericht war ich da deutlich einsamer, spätestens ab halb 4 war ich allein und für alle Eilsachen zuständig. Klar hatte ich da extrem Glück mit den Kolleginnen (es waren die weiblichen), aber bei der StA hieß es: ich geh erst, wenn du es im Griff hast. Das ist übrigens eine Haltung, die ich selbst heute pflege.&#10;&#10;Rechtlich war es also erstmal deutlich stressfreier, da umgrenzter. Als Strafrichterin hatte ich auch Tierschutz, Insolvenzverschleppung, pornographische Schriften (die illegalen) und viele, viele Personen, die einfach nur Pech hatten. So richtig kompetent kam ich mir da nicht vor und die Vorstellung, ggf ins Familienrecht oder irgendeine ganz abseitige Materie (Landwirtschaftsrecht??) versetzt zu werden, gruselte mich.&#10;&#10;Durch die Spezialisierung hatte ich auch fachliche Vorteile gegenüber dem Gericht. Ich habe schon wirklich falsche Anklagen geschrieben und musste dann peinlich berührt zusehen, wie das Gericht versucht hat, meine Rechtsauffassung zu unterfüttern, denn man ging davon aus, dass das so falsch nicht sein könne. Gleichzeitig nimmt es mir auch viel Druck zu wissen, dass ich auch „nur“ Anträge stelle. Inzwischen kennen die Gerichte mich, wissen, wie ich arbeite und dass sie Anträge im vereinfachten Jugendverfahren fast schon detaillierter prüfen müssen, als Landgerichtsanklagen. Wenn ich nicht bekomme, was ich beantragt habe, darf mir auch kein Zacken aus der Krone brechen, das gehört dazu. Wenn mir die GenStA sagt, dass ich alles nochmal machen soll, auch. Klar, ist unangenehm, aber ich bin auch nur die allererste Stelle, die das juristisch einordnet und ich bekomme mit Abstand am wenigsten Zeit zugestanden. Man muss also damit umgehen können, dass man von anderen gesagt bekommt, wie man es machen soll.&#10;&#10;Aber dann erkannte ich, dass die StA auch familienfreundlicher war. Ich hatte einen Sitzungstag pro Woche, auch mal zwei, aber erstens nicht drei wie vorher und die Sitzungen waren deutlich stressfreier. Der Erledigungsdruck ist nicht da. Wenn keine\*r kommt: egal! Ich mache meine Erledigungen am Schreibtisch, mal am Wochenende, mal spät abends, in den Ferien auch gern früh morgens. Ich muss kaum mal wen anhören, brauche keinen Saal und bin dadurch viel viel freier. Ich habe auch Zeit in den Sitzungen. Wenn eine Sache drei Monate dauert: egal! Ich geh eh jede Woche zu Gericht, wenn statt 15 nur 4 Termine gebraucht werden, gewinne ich gar nichts, weil ich dann ja woanders eingeteilt werde. (Diesen fehlenden Termindruck kann man auch bei Dealgesprächen einsetzen).&#10;&#10;Das, was natürlich immer gegen die StA spricht, sind die internen Weisungen. Erlasse, Hausverfügungen. Man muss berichten, wenn was Relevantes passiert (man zB einen SEK-Einsatz im Wohngebiet ausgelöst hat), da schaffe ich es bis heute nicht, auf Anhieb alle Formalia einzuhalten und viele, die sich gegen uns und fürs Gericht entscheiden, führen grade die Berichte als Negativpunkt auf. Diese internen Weisungen sind bei uns allerdings nicht so stark ausgeprägt. Klar muss ich eine Berufung bei der Abteilungsleitung abzeichnen lassen, aber da geh ich mit rüber, es wird gezeichnet und ich nehm’s wieder mit. Das ist nach mehreren Jahren Dienstzeit auch echt nicht mehr so wild. Da fühl ich mich jetzt nicht beeinträchtigt. (Meinen Urlaub mit der eigenen Kammer und teils auch der Vertretungskammer absprechen zu müssen, fänd ich deutlich einschränkender).  Man hat auch die Querulanten an der Backe. Leute, die den Postzusteller anzeigen, weil der bestimmt für die Stasi arbeitet. Aber ich mag auch das (vermutlich als Einzige). Denn man darf nie vergessen: jede Anzeige ist aus irgendeinem Grund erstattet worden, irgendeine Geschichte gibts immer. Da sind Personen, die sich hilfesuchend an die Polizei gewandt haben (auch bei falschen Anzeigen!) und deren Geschichte landet in einem Bürogebäude ohne Publikumsverkehr, bei völlig unbekannten Leuten ohne Gesicht aber mit Macht. Und die entscheiden, in welche Richtung es geht. Daher stecke ich persönlich auch immer sehr viel Zeit in Einstellungsbescheide, denn ein nennenswerter Teil versteht vermutlich noch nicht einmal, warum statt der Polizei jetzt die StA schreibt.&#10;&#10;Was ich tatsächlich auch bemerkt habe: man stumpft ab. Das sprachliche Niveau ist lang nicht mehr so gehoben und feintariert wie noch zu Studienzeiten und man macht (intern) auch Witze, wenn teils völlig absurde Situationen auftauchen. Vermutlich braucht man das, um ein Gleichgewicht gegenüber dem Schlimmen zu haben. Aber ich mache es wirklich gern. Ich kann gut zuhören, habe ein Gespür für die Geschichte hinter der Anzeige und nehme jede\*n ernst. Und das spüren die Beteiligten gerade in den Sexualdelikten auch. Ja, ein Vergewaltiger soll lange in Haft, aber er darf sich gerne Verteidiger nehmen, die mich und die durch mich ermittelte Beweislage herausfordern. Inzwischen bin ich lange genug dabei, dass ich auch fachliche Herausforderungen nicht mehr fürchte :).&#10;&#10;Hui. Lang geworden und sehr persönlich :).</source:markdown>
			</item>
		<item>
			<description>&lt;p&gt;Sodele, nachdem ich erzählt habe, warum ich (anfänglich eher aus praktischen Gründen) Staatsanwältin geworden bin, jetzt die Ergänzung, warum ich es geblieben bin und inzwischen sogar gern mache. Und mich bewusst gegen das Richterinnenamt entschieden habe. Disclaimer: meine ganz persönlichen Erfahrungen, allein die zahlreichen Kolleg*innen, die ich nicht überzeugen konnte und die jetzt in der Richterschaft sind, zeigen, dass man alles ganz anders sehen und erfahren kann.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich hatte den Vergleich aus Amtsgericht und Staatsanwaltschaft. Landgericht war ich nur sehr kurz, die möglichen Vorteile dort, habe ich nicht erfahren und kenne sie allenfalls aus Erzählungen. Die Standorte sind hier auch alle sehr klein, das kommt mir entgegen. Man duzt sich (außer LOStA), die Dienstwege sind kurz. An großen Behörden wird das alles ganz anders sein.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Erstmal habe ich festgestellt, dass man bei der StA gar nicht so viel Strafrecht können muss. Denn ich hatte ein fest umrissenes Dezernat. So Sachen, wie Betrug oder Raub oder gar Brandstiftung (da sind wir Kollektiv durchgefallen) kam nicht vor. Ein fester Deliktsbereich, den ich mir dann auch erarbeiten konnte. Üblicherweise bekommen Assessor*innen sogenannte allgemeine Dezernate, da wäre das anders gewesen, aber ich hatte da Glück. Zum Anderen bin ich umgeben von anderen Strafrechtler*innen. Ich hatte schnell raus, wen man fragt, wenn man eine schnelle Erledigung braucht (Amtsanwält*innen), wen man fragt, wenn man kreativ ermitteln will (OK) und wen, wenn man etwas richtig verbockt hat (die jungen Verplanten, die verpetzen einen nicht). Beim Amtsgericht war ich da deutlich einsamer, spätestens ab halb 4 war ich allein und für alle Eilsachen zuständig. Klar hatte ich da extrem Glück mit den Kolleginnen (es waren die weiblichen), aber bei der StA hieß es: ich geh erst, wenn du es im Griff hast. Das ist übrigens eine Haltung, die ich selbst heute pflege.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Rechtlich war es also erstmal deutlich stressfreier, da umgrenzter. Als Strafrichterin hatte ich auch Tierschutz, Insolvenzverschleppung, pornographische Schriften (die illegalen) und viele, viele Personen, die einfach nur Pech hatten. So richtig kompetent kam ich mir da nicht vor und die Vorstellung, ggf ins Familienrecht oder irgendeine ganz abseitige Materie (Landwirtschaftsrecht??) versetzt zu werden, gruselte mich.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Durch die Spezialisierung hatte ich auch fachliche Vorteile gegenüber dem Gericht. Ich habe schon wirklich falsche Anklagen geschrieben und musste dann peinlich berührt zusehen, wie das Gericht versucht hat, meine Rechtsauffassung zu unterfüttern, denn man ging davon aus, dass das so falsch nicht sein könne. Gleichzeitig nimmt es mir auch viel Druck zu wissen, dass ich auch „nur“ Anträge stelle. Inzwischen kennen die Gerichte mich, wissen, wie ich arbeite und dass sie Anträge im vereinfachten Jugendverfahren fast schon detaillierter prüfen müssen, als Landgerichtsanklagen. Wenn ich nicht bekomme, was ich beantragt habe, darf mir auch kein Zacken aus der Krone brechen, das gehört dazu. Wenn mir die GenStA sagt, dass ich alles nochmal machen soll, auch. Klar, ist unangenehm, aber ich bin auch nur die allererste Stelle, die das juristisch einordnet und ich bekomme mit Abstand am wenigsten Zeit zugestanden. Man muss also damit umgehen können, dass man von anderen gesagt bekommt, wie man es machen soll.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Aber dann erkannte ich, dass die StA auch familienfreundlicher war. Ich hatte einen Sitzungstag pro Woche, auch mal zwei, aber erstens nicht drei wie vorher und die Sitzungen waren deutlich stressfreier. Der Erledigungsdruck ist nicht da. Wenn keine*r kommt: egal! Ich mache meine Erledigungen am Schreibtisch, mal am Wochenende, mal spät abends, in den Ferien auch gern früh morgens. Ich muss kaum mal wen anhören, brauche keinen Saal und bin dadurch viel viel freier. Ich habe auch Zeit in den Sitzungen. Wenn eine Sache drei Monate dauert: egal! Ich geh eh jede Woche zu Gericht, wenn statt 15 nur 4 Termine gebraucht werden, gewinne ich gar nichts, weil ich dann ja woanders eingeteilt werde. (Diesen fehlenden Termindruck kann man auch bei Dealgesprächen einsetzen).&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das, was natürlich immer gegen die StA spricht, sind die internen Weisungen. Erlasse, Hausverfügungen. Man muss berichten, wenn was Relevantes passiert (man zB einen SEK-Einsatz im Wohngebiet ausgelöst hat), da schaffe ich es bis heute nicht, auf Anhieb alle Formalia einzuhalten und viele, die sich gegen uns und fürs Gericht entscheiden, führen grade die Berichte als Negativpunkt auf. Diese internen Weisungen sind bei uns allerdings nicht so stark ausgeprägt. Klar muss ich eine Berufung bei der Abteilungsleitung abzeichnen lassen, aber da geh ich mit rüber, es wird gezeichnet und ich nehm’s wieder mit. Das ist nach mehreren Jahren Dienstzeit auch echt nicht mehr so wild. Da fühl ich mich jetzt nicht beeinträchtigt. (Meinen Urlaub mit der eigenen Kammer und teils auch der Vertretungskammer absprechen zu müssen, fänd ich deutlich einschränkender).  Man hat auch die Querulanten an der Backe. Leute, die den Postzusteller anzeigen, weil der bestimmt für die Stasi arbeitet. Aber ich mag auch das (vermutlich als Einzige). Denn man darf nie vergessen: jede Anzeige ist aus irgendeinem Grund erstattet worden, irgendeine Geschichte gibts immer. Da sind Personen, die sich hilfesuchend an die Polizei gewandt haben (auch bei falschen Anzeigen!) und deren Geschichte landet in einem Bürogebäude ohne Publikumsverkehr, bei völlig unbekannten Leuten ohne Gesicht aber mit Macht. Und die entscheiden, in welche Richtung es geht. Daher stecke ich persönlich auch immer sehr viel Zeit in Einstellungsbescheide, denn ein nennenswerter Teil versteht vermutlich noch nicht einmal, warum statt der Polizei jetzt die StA schreibt.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Was ich tatsächlich auch bemerkt habe: man stumpft ab. Das sprachliche Niveau ist lang nicht mehr so gehoben und feintariert wie noch zu Studienzeiten und man macht (intern) auch Witze, wenn teils völlig absurde Situationen auftauchen. Vermutlich braucht man das, um ein Gleichgewicht gegenüber dem Schlimmen zu haben. Aber ich mache es wirklich gern. Ich kann gut zuhören, habe ein Gespür für die Geschichte hinter der Anzeige und nehme jede*n ernst. Und das spüren die Beteiligten gerade in den Sexualdelikten auch. Ja, ein Vergewaltiger soll lange in Haft, aber er darf sich gerne Verteidiger nehmen, die mich und die durch mich ermittelte Beweislage herausfordern. Inzwischen bin ich lange genug dabei, dass ich auch fachliche Herausforderungen nicht mehr fürchte :).&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Hui. Lang geworden und sehr persönlich :).&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Sat, 06 Jul 2024 18:33:39 GMT</pubDate>
			<link>https://blue.feedland.org/?item=461667</link>
			<guid>https://blue.feedland.org/?item=461667</guid>
			<source:markdown>Sodele, nachdem ich erzählt habe, warum ich (anfänglich eher aus praktischen Gründen) Staatsanwältin geworden bin, jetzt die Ergänzung, warum ich es geblieben bin und inzwischen sogar gern mache. Und mich bewusst gegen das Richterinnenamt entschieden habe. Disclaimer: meine ganz persönlichen Erfahrungen, allein die zahlreichen Kolleg\*innen, die ich nicht überzeugen konnte und die jetzt in der Richterschaft sind, zeigen, dass man alles ganz anders sehen und erfahren kann.&#10;&#10;Ich hatte den Vergleich aus Amtsgericht und Staatsanwaltschaft. Landgericht war ich nur sehr kurz, die möglichen Vorteile dort, habe ich nicht erfahren und kenne sie allenfalls aus Erzählungen. Die Standorte sind hier auch alle sehr klein, das kommt mir entgegen. Man duzt sich (außer LOStA), die Dienstwege sind kurz. An großen Behörden wird das alles ganz anders sein.&#10;&#10;Erstmal habe ich festgestellt, dass man bei der StA gar nicht so viel Strafrecht können muss. Denn ich hatte ein fest umrissenes Dezernat. So Sachen, wie Betrug oder Raub oder gar Brandstiftung (da sind wir Kollektiv durchgefallen) kam nicht vor. Ein fester Deliktsbereich, den ich mir dann auch erarbeiten konnte. Üblicherweise bekommen Assessor\*innen sogenannte allgemeine Dezernate, da wäre das anders gewesen, aber ich hatte da Glück. Zum Anderen bin ich umgeben von anderen Strafrechtler\*innen. Ich hatte schnell raus, wen man fragt, wenn man eine schnelle Erledigung braucht (Amtsanwält\*innen), wen man fragt, wenn man kreativ ermitteln will (OK) und wen, wenn man etwas richtig verbockt hat (die jungen Verplanten, die verpetzen einen nicht). Beim Amtsgericht war ich da deutlich einsamer, spätestens ab halb 4 war ich allein und für alle Eilsachen zuständig. Klar hatte ich da extrem Glück mit den Kolleginnen (es waren die weiblichen), aber bei der StA hieß es: ich geh erst, wenn du es im Griff hast. Das ist übrigens eine Haltung, die ich selbst heute pflege.&#10;&#10;Rechtlich war es also erstmal deutlich stressfreier, da umgrenzter. Als Strafrichterin hatte ich auch Tierschutz, Insolvenzverschleppung, pornographische Schriften (die illegalen) und viele, viele Personen, die einfach nur Pech hatten. So richtig kompetent kam ich mir da nicht vor und die Vorstellung, ggf ins Familienrecht oder irgendeine ganz abseitige Materie (Landwirtschaftsrecht??) versetzt zu werden, gruselte mich.&#10;&#10;Durch die Spezialisierung hatte ich auch fachliche Vorteile gegenüber dem Gericht. Ich habe schon wirklich falsche Anklagen geschrieben und musste dann peinlich berührt zusehen, wie das Gericht versucht hat, meine Rechtsauffassung zu unterfüttern, denn man ging davon aus, dass das so falsch nicht sein könne. Gleichzeitig nimmt es mir auch viel Druck zu wissen, dass ich auch „nur“ Anträge stelle. Inzwischen kennen die Gerichte mich, wissen, wie ich arbeite und dass sie Anträge im vereinfachten Jugendverfahren fast schon detaillierter prüfen müssen, als Landgerichtsanklagen. Wenn ich nicht bekomme, was ich beantragt habe, darf mir auch kein Zacken aus der Krone brechen, das gehört dazu. Wenn mir die GenStA sagt, dass ich alles nochmal machen soll, auch. Klar, ist unangenehm, aber ich bin auch nur die allererste Stelle, die das juristisch einordnet und ich bekomme mit Abstand am wenigsten Zeit zugestanden. Man muss also damit umgehen können, dass man von anderen gesagt bekommt, wie man es machen soll.&#10;&#10;Aber dann erkannte ich, dass die StA auch familienfreundlicher war. Ich hatte einen Sitzungstag pro Woche, auch mal zwei, aber erstens nicht drei wie vorher und die Sitzungen waren deutlich stressfreier. Der Erledigungsdruck ist nicht da. Wenn keine\*r kommt: egal! Ich mache meine Erledigungen am Schreibtisch, mal am Wochenende, mal spät abends, in den Ferien auch gern früh morgens. Ich muss kaum mal wen anhören, brauche keinen Saal und bin dadurch viel viel freier. Ich habe auch Zeit in den Sitzungen. Wenn eine Sache drei Monate dauert: egal! Ich geh eh jede Woche zu Gericht, wenn statt 15 nur 4 Termine gebraucht werden, gewinne ich gar nichts, weil ich dann ja woanders eingeteilt werde. (Diesen fehlenden Termindruck kann man auch bei Dealgesprächen einsetzen).&#10;&#10;Das, was natürlich immer gegen die StA spricht, sind die internen Weisungen. Erlasse, Hausverfügungen. Man muss berichten, wenn was Relevantes passiert (man zB einen SEK-Einsatz im Wohngebiet ausgelöst hat), da schaffe ich es bis heute nicht, auf Anhieb alle Formalia einzuhalten und viele, die sich gegen uns und fürs Gericht entscheiden, führen grade die Berichte als Negativpunkt auf. Diese internen Weisungen sind bei uns allerdings nicht so stark ausgeprägt. Klar muss ich eine Berufung bei der Abteilungsleitung abzeichnen lassen, aber da geh ich mit rüber, es wird gezeichnet und ich nehm’s wieder mit. Das ist nach mehreren Jahren Dienstzeit auch echt nicht mehr so wild. Da fühl ich mich jetzt nicht beeinträchtigt. (Meinen Urlaub mit der eigenen Kammer und teils auch der Vertretungskammer absprechen zu müssen, fänd ich deutlich einschränkender).  Man hat auch die Querulanten an der Backe. Leute, die den Postzusteller anzeigen, weil der bestimmt für die Stasi arbeitet. Aber ich mag auch das (vermutlich als Einzige). Denn man darf nie vergessen: jede Anzeige ist aus irgendeinem Grund erstattet worden, irgendeine Geschichte gibts immer. Da sind Personen, die sich hilfesuchend an die Polizei gewandt haben (auch bei falschen Anzeigen!) und deren Geschichte landet in einem Bürogebäude ohne Publikumsverkehr, bei völlig unbekannten Leuten ohne Gesicht aber mit Macht. Und die entscheiden, in welche Richtung es geht. Daher stecke ich persönlich auch immer sehr viel Zeit in Einstellungsbescheide, denn ein nennenswerter Teil versteht vermutlich noch nicht einmal, warum statt der Polizei jetzt die StA schreibt.&#10;&#10;Was ich tatsächlich auch bemerkt habe: man stumpft ab. Das sprachliche Niveau ist lang nicht mehr so gehoben und feintariert wie noch zu Studienzeiten und man macht (intern) auch Witze, wenn teils völlig absurde Situationen auftauchen. Vermutlich braucht man das, um ein Gleichgewicht gegenüber dem Schlimmen zu haben. Aber ich mache es wirklich gern. Ich kann gut zuhören, habe ein Gespür für die Geschichte hinter der Anzeige und nehme jede\*n ernst. Und das spüren die Beteiligten gerade in den Sexualdelikten auch. Ja, ein Vergewaltiger soll lange in Haft, aber er darf sich gerne Verteidiger nehmen, die mich und die durch mich ermittelte Beweislage herausfordern. Inzwischen bin ich lange genug dabei, dass ich auch fachliche Herausforderungen nicht mehr fürchte :).&#10;&#10;Hui. Lang geworden und sehr persönlich :).</source:markdown>
			</item>
		<item>
			<description>&lt;p&gt;So, da es zumindest zwei Leser*innen gibt, einmal mein Werdegang, warum ich Staatsanwältin geworden bin und vor Allem, warum ich es bleiben möchte. Zunächst einmal bin ich ein Typ, der sich treiben lässt. Ursprünglich wollte ich Mathe studieren, aber das Berufsfeld fand ich langweilig. Mein Schwager studierte Jura und meinte, das könnte zu mir passen. In meinem Dorf haben alle was Soziales studiert, soziale Arbeit, Sonderschulpädagogik, sowas. Nach einem sozialen Jahr war mir klar, dass ich eins nicht kann: auf andere zugehen, eigeninitiativ arbeiten. Also dachte ich, bis mir was Besseres einfällt, mach ich Jura. Dann dachte ich, zumindest solange, bis ich nennenswert durchfalle (also mal nen ganzen Schein verpasse). Im Strafrecht gab es immer 4 Gnadenpunkte im letzten Versuch, aber egal, letzter Versuch reicht ja und Strafrecht ist eh was für Nerds. Long Story Short: irgendwann hatte ich Examen und irgendwann auch ein zweites. Im Ref hatte ich überlegt, Richterin wär doch nett. Am VG Münster hab ich mich wohlgefühlt, war allerdings notentechnisch absolute Unterkante. In Münster bleiben ging eh nicht. Also ordentliche.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Bewerbung zum OLG. Hier wird gemeinsam eingestellt, also Gericht und StA. Als die Frage aufkam, ob ich mir auch StA vorstellen könne, musste ich ein Lachen unterdrücken, hatten die meine Noten gar nicht gesehen? Aber egal, Pokerface. Ich bekam die Stelle. Wollte an den unbeliebtesten Ort des Bezirks und bekam… den beliebtesten. Da hab ich eine Lektion gelernt: „nie“ und „immer“ sind bloße Worthülsen im öD. An Ihrem Wunschort ist immer was frei! Man wird nie geteilt! Das LG ist auf Jahre voll besetzt, da gibt’s keine Planstellen! Jede Versetzung wird rechtzeitig mitgeteilt! LOL! Da ich ausschließlich auf nette Personen getroffen bin, frage ich mich (wie alle anderen auch), ob die OLG-Verwaltung unfähig oder bösartig ist.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Aber gut. In der Probezeit wurde ich (von anfänglichen 5 Monaten am LG auf Schondezernaten) war ich Strafrichterin und das ohne Einarbeitung für etwa 1,5 Jahre. Ich hab mein Bestes gegeben, aber Strafrecht hatte ich nie verstanden, StPO auf Lücke gelernt und Zeit, das aufzuholen, hatte ich nie. Kurz gesagt, ich war auch zeitweilig eine Gefahr für den Rechtsstaat. Aber da habe ich gelernt, dass der Staat das sehenden Auges mitmacht. Und dass eine positive Fehlerkultur sehr viel wert ist. Bis zur Planreife musste ich noch zur StA. Irgendwann dämmerte mir, dass ich bislang nur Strafrecht gemacht hatte, mit dem zweiten Kind schwanger war und eigentlich keine Lust auf Stress hatte. Und erst Recht keine Lust auf ne Woche Trier um Familienrecht zu lernen. Ans LG wollte ich nicht, da waren mir die Akten zu dick. Beim örtlichen AG wäre es Familienrecht geworden (zumindest in der Anfangszeit, „sonst ist nichts frei“ wurde danach noch zahlreich widerlegt). Pendeln wollte ich nicht, also entschied ich mich, bei der StA zu bleiben, Kinder zu bekommen und Dienst nach Vorschrift zu machen. Auch Erwägungen völlig fern der Sache können also zum Ziel führen. Ich bekam ein Jugenddezernst, die haben (teils zu Recht) den Ruf, dass man da kein Strafrecht können muss&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;In der Probezeit hab ich mehrere Dinge gelernt: Du entscheidest nicht, wo du arbeitest und was du inhaltlich machst. Das OLG vergisst dich auch zwischendurch („Sie sind schon 1,5 Jahre dort?? Seltsam“ von meiner Präsidentin) und der Vergleichsmaßstab sind andere Anfänger*innen. Nichts zu können und diverse Dinge richtig zu verbocken ist kein Grund für einen Rausschmiss, wenn man versucht, es richtig zu machen. (Dass man die StA anhört, hätte man mir auch mal sagen können). Einarbeitung und Anleitung gibts nur auf gut Glück mal, grade bei Richter*innen heißt es durchweg: du bist unabhängig, entscheide selbst. Na, schönen Dank auch.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Welche Vorteile die StA für mich gegenüber dem Gericht hat, kommt separat, bin müde :).&lt;/p&gt;</description>
			<pubDate>Thu, 04 Jul 2024 20:45:45 GMT</pubDate>
			<link>https://blue.feedland.org/?item=459333</link>
			<guid>https://blue.feedland.org/?item=459333</guid>
			<source:markdown>So, da es zumindest zwei Leser\*innen gibt, einmal mein Werdegang, warum ich Staatsanwältin geworden bin und vor Allem, warum ich es bleiben möchte. Zunächst einmal bin ich ein Typ, der sich treiben lässt. Ursprünglich wollte ich Mathe studieren, aber das Berufsfeld fand ich langweilig. Mein Schwager studierte Jura und meinte, das könnte zu mir passen. In meinem Dorf haben alle was Soziales studiert, soziale Arbeit, Sonderschulpädagogik, sowas. Nach einem sozialen Jahr war mir klar, dass ich eins nicht kann: auf andere zugehen, eigeninitiativ arbeiten. Also dachte ich, bis mir was Besseres einfällt, mach ich Jura. Dann dachte ich, zumindest solange, bis ich nennenswert durchfalle (also mal nen ganzen Schein verpasse). Im Strafrecht gab es immer 4 Gnadenpunkte im letzten Versuch, aber egal, letzter Versuch reicht ja und Strafrecht ist eh was für Nerds. Long Story Short: irgendwann hatte ich Examen und irgendwann auch ein zweites. Im Ref hatte ich überlegt, Richterin wär doch nett. Am VG Münster hab ich mich wohlgefühlt, war allerdings notentechnisch absolute Unterkante. In Münster bleiben ging eh nicht. Also ordentliche.&#10;&#10;Bewerbung zum OLG. Hier wird gemeinsam eingestellt, also Gericht und StA. Als die Frage aufkam, ob ich mir auch StA vorstellen könne, musste ich ein Lachen unterdrücken, hatten die meine Noten gar nicht gesehen? Aber egal, Pokerface. Ich bekam die Stelle. Wollte an den unbeliebtesten Ort des Bezirks und bekam… den beliebtesten. Da hab ich eine Lektion gelernt: „nie“ und „immer“ sind bloße Worthülsen im öD. An Ihrem Wunschort ist immer was frei! Man wird nie geteilt! Das LG ist auf Jahre voll besetzt, da gibt’s keine Planstellen! Jede Versetzung wird rechtzeitig mitgeteilt! LOL! Da ich ausschließlich auf nette Personen getroffen bin, frage ich mich (wie alle anderen auch), ob die OLG-Verwaltung unfähig oder bösartig ist.&#10;&#10;Aber gut. In der Probezeit wurde ich (von anfänglichen 5 Monaten am LG auf Schondezernaten) war ich Strafrichterin und das ohne Einarbeitung für etwa 1,5 Jahre. Ich hab mein Bestes gegeben, aber Strafrecht hatte ich nie verstanden, StPO auf Lücke gelernt und Zeit, das aufzuholen, hatte ich nie. Kurz gesagt, ich war auch zeitweilig eine Gefahr für den Rechtsstaat. Aber da habe ich gelernt, dass der Staat das sehenden Auges mitmacht. Und dass eine positive Fehlerkultur sehr viel wert ist. Bis zur Planreife musste ich noch zur StA. Irgendwann dämmerte mir, dass ich bislang nur Strafrecht gemacht hatte, mit dem zweiten Kind schwanger war und eigentlich keine Lust auf Stress hatte. Und erst Recht keine Lust auf ne Woche Trier um Familienrecht zu lernen. Ans LG wollte ich nicht, da waren mir die Akten zu dick. Beim örtlichen AG wäre es Familienrecht geworden (zumindest in der Anfangszeit, „sonst ist nichts frei“ wurde danach noch zahlreich widerlegt). Pendeln wollte ich nicht, also entschied ich mich, bei der StA zu bleiben, Kinder zu bekommen und Dienst nach Vorschrift zu machen. Auch Erwägungen völlig fern der Sache können also zum Ziel führen. Ich bekam ein Jugenddezernst, die haben (teils zu Recht) den Ruf, dass man da kein Strafrecht können muss&#10;&#10;In der Probezeit hab ich mehrere Dinge gelernt: Du entscheidest nicht, wo du arbeitest und was du inhaltlich machst. Das OLG vergisst dich auch zwischendurch („Sie sind schon 1,5 Jahre dort?? Seltsam“ von meiner Präsidentin) und der Vergleichsmaßstab sind andere Anfänger\*innen. Nichts zu können und diverse Dinge richtig zu verbocken ist kein Grund für einen Rausschmiss, wenn man versucht, es richtig zu machen. (Dass man die StA anhört, hätte man mir auch mal sagen können). Einarbeitung und Anleitung gibts nur auf gut Glück mal, grade bei Richter\*innen heißt es durchweg: du bist unabhängig, entscheide selbst. Na, schönen Dank auch.&#10;&#10;Welche Vorteile die StA für mich gegenüber dem Gericht hat, kommt separat, bin müde :).</source:markdown>
			</item>
		</channel>
	</rss>
